“What the hell is leadership?”

Geschrieben am 19. Mrz, 2012 von in Definitionen, Führung

Was ist Führung bzw. „leadership“? Helfen Definitionen oder gar die Betrachtung einzelner Bespiele weiter? Oder ist es nicht notwendig, sich auf die wesentlichen Rahmenbedingungen und Faktoren sowie deren Zusammenspiel miteinander zu konzentrieren?

Für “leadership” bzw. Führung gibt es bisher keine einvernehmliche Definition. Vielmehr sind zahlreiche Definitionen vorhanden. Einen umfassenden Überblick hierzu gibt z.B. O. Neuberger in seiner Publikation: Ansätze, Ergebnisse und Kritik der Führungsforschung.1

Wie die moderne Erziehungswissenschaft, geht die Allgemeine Führungslehre davon aus, das Führen weitestgehend erlernbar (= durch Erkenntnisse und Erfahrungen zu verbessern) ist.

Führung als Kunst

Für mich ist Führung von Menschen, Organisationen und Systemen „eine Kunst, eine auf Charakter, Können und geistiger Kraft beruhender schöpferische Tätigkeit“2, deren Lehren sich nicht erschöpfend darstellen lassen.3 Sie verträgt weder Formeln noch starre Regelungen. Doch müssen klare Grundsätze jede Führungskraft leiten. Damit sind allerdings keine Rezepte oder starren Werkzeuge gemeint. Vielmehr bedarf es ausgewählter Grundsätze, die die Stärken und Schwächen gleichermaßen berücksichtigen, und die flexibel auf die erforderliche Situation anzuwenden sind.

Dies möchte ich an einigen Beispielen verdeutlichen:

  • Der Unternehmer, der zeitgerecht vor Anderen ein völlig neues Produkt in den Markt einführt und dieses dann reißenden Absatz findet.
  • Der Generalstabschef, der zeitgerecht alle notwendigen Truppen am richtigen Ort versammelt und einen feindlichen Angriff abwehrt.
  • Die Führungskraft, die nicht nur die erforderlichen Rahmenbedingungen für die operative Arbeit sicherstellt, sondern auch regelmäßig die Mitarbeiter über aktuelle Entwicklungen und seine Bewertungen hierzu unterrichtet.
  • Die Hausfrau, die zeitgerecht das Essen vorzüglich für ihre Familie zubereitet und  dadurch auch schwierige Verhältnisse kurzeitig vergessen lässt.
  • Die Bundeskanzlerin, die trotz persönlicher Vorbehalte, sich einem parteipolitisch übergreifenden Vorschlag für die Kandidatur des nächsten Bundespräsidenten, nicht verweigert sondern anschließt.

All dies sind Beispiele, wo die Führungskraft mit all seinen/ ihren Fähigkeiten umfassend gefordert ist. Diese Liste ließe sich beliebig weiter fortführen. Sind aber in diesem Zusammenhang nicht doch folgende Fragen viel spannender und aufschlussreicher?  Was sind die wesentlichen Faktoren für erfolgreiche Führung und welche Folgerungen ergeben sich darauf für das eigene Handeln? 

Wesentlichen Faktoren für erfolgreiche Führung?

Während der Dreiklang zwischen Mensch, Organisation und Technik den systemischen Rahmen beschreibt, bilden die Ressourcen, Zeit, Raum und Information die echten operativen Faktoren.

Diese Faktoren bestimmen bzw. determinieren Führung bzw. “leadership“ in ihrer unterschiedlichen Ausprägung.

Abgrenzung Führung zu Management

Der Begriff „Management“ beschreibt gem. Gablers Wirtschaftslexikon im Rahmen des betriebswirtschaftlichen Sprachraumes die Leitung eines Unternehmens. Damit ist aber in erster Linie die Verwaltung und Organisation gemeint. Dadurch erfolgt vor allem im angloamerikanischen Raum aber auch eine klare sprachliche Abgrenzung zum Führungsbegriff. Allerdings ist eine trennscharfe Trennung nicht oder nur kaum möglich. Diesem Aspekt werden wir uns regelmäßig weiter widmen müssen.

Quellen:

 

  1. O. Neuberger: Führen und Führen lassen: Ansätze, Ergebnisse und Kritik der Führungsforschung. Stuttgart6, 2002.
  2. Heeresdienstvorschrift (HDV) 100/ 100
  3. Erg. Anm. d. Verf.: Die Präzisierung der Führung von “Menschen, Organisationen und Menschen” wurde aufgrund des u.a. Kommentars von Ivan Rotag ergänzend eingefügt

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4 Responses to ““What the hell is leadership?””

  1. Ivan Rotag

    02. Apr, 2012

    Sehr geehrter Herr Bornemann
    Auch hier möchte ich einige Punkte zu Ihrer Ausführung hinzufügen.
    Mir ist aufgefallen, dass Sie Führen nicht im Kontext mit Menschen und Personen sehen, sondern mit Faktoren, Rahmenbedingungen, Definitionen, Kraft und Grundsätzen beschreiben. Leider finde ich auch das Wort Mensch nur in der Beschreibung des Schaubildes.
    Führung ist für immer mehr mit Persönlichkeit verbunden, Führungskräfte haben wir genug, Führungspersönlichkeiten hingegen leider nicht genug. Vor kurzem habe ich mich mit dem Geschäftsführer einer Führungsakademie unterhalten, auf meine Frage wie viele Kursteilnehmer, die für die Führung von Mitarbeitern ausgebildet werden soll, dazu befähigt seien, kam die lapidare Antwort, nicht mal ein Drittel.

    Dies lass ich mal unkommentiert so stehen, auch hinsichtlich unseres Ausbildungssystems. Fest steht für mich, dass Unternehmer die sich des Themas Führung annehmen eine Menge zu lehren haben und wer sich hier auskennt, kann vielen Unternehmen und Menschen eine „Führung“ geben.

    Geht es bei der von Ihnen beleuchtete Frage um Faktoren, Rahmenbedingungen, Definitionen, Kräfte und Grundsätze oder vielleicht auch um die Metaebene und Softskills. Auch dies dient nur als Denkanstoß und der Möglichkeit Ihren Blog zu entwickeln.

    MfG und weiterhin viel Erfolg

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  2. Stefan Bornemann

    Stefan Bornemann

    02. Apr, 2012

    Sehr geehrter Herr Rotag,

    zunächst danke ich Ihnen für Ihren umfassenden Kommentar, und hier vor allem für Ihre kritischen Hinweise.

    Sie haben völlig recht, dass ich in dem o.a. Artikel den Führungsbegriff nicht explizit im Kontext von Menschen ausgedrückt habe. Dieses Verständnis habe ich vorausgesetzt. Allerdings greife ich gerne Ihren Hinweis auf und werde hier in der Formulierung nachbessern; d.h.: Führung von Menschen, Organisationen und Systemen.

    Darüber hinaus danke ich für Ihr Beispiel mit dem “Geschäftsführer einer Führungsakademie”. Seine Aussage bewerte ich so, dass er mit dem einen Drittel nicht vornehmlich die Befähigung meinte, sondern vielmehr das Talent. Denn meine These ist: Führung ist zu weiten Teilen erlernbar und dadurch entwickeln sich die notwendigen Fähigkeiten und Qualifikationen und dadurch letztendlich die Führungskompetenz.

    Weiterhin wird es in diesem Blog neben den härteren Faktoren natürlich auch um die Metaebene und die sog. Softskills gehen. Wobei ich mich mit beiden Begriffen bisher noch nie so habe anfreunden können, weil damit ggf. auch Assoziationen geweckt werden, die das Thema Führung so ein wenig in die “esoterische Ecke” drängen. Da möcte ich auf keinen Fall eingeordnet werden. Mir geht es mit meinen Beiträgen vielmehr darum, die unterschiedlichen Dimensionen von Führung zu beleuchten und dabei einerseits auch auf die Komplexität hinzuweisen und andererseits auf die Notwendigkeit, dass Erfahrungslernen gleichermaßen Voraussetzung und Rahmenbedingung für erfolgreiche Führung ist.

    Denn nur wer die Möglichkeit hat, seine gemachten Fehler kritisch zu hinterfragen und sein künftiges Handeln entsprechend anzupassen, wird sich hier in seiner Persönlichkeit weiterentwickeln.

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    • Ivan Rotag

      03. Apr, 2012

      Vielleicht helfen Ihnen folgende Links sich mit Soft Skills weiter an zu freunden:

      http://tinyurl.com/c5lb5d7

      http://tinyurl.com/c23q3ry
      (hier wird Sie sicher 2.4 weiterhelfen)

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      • Stefan Bornemann

        Stefan Bornemann

        03. Apr, 2012

        Vielen Dank für die ergänzenden Links. Diese werde ich mir in Ruhe anschauen. Allerdings habe ich inhaltlich mit den sog. “Soft Skills” bzw. fachübergreifenden Qualifikationen keine Probleme, sondern nur mit der Begrifflichkeit.

        Bzgl. des o.a. Punktes 2.4 wäre es wünschenswert, wenn an den Hochschulen und Weiterbildungsinstituten deutlich intensiver Gruppenarbeiten mit unterschiedlichen Rollen als Lernform genutzt würden. Dadurch wäre es möglich, sehr rasch und effektiv auf das jeweilige Verhalten von FührerIn und Geführten einzugehen und dieses entsprechend weiterzuentwickeln.

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