Modell des Führungsprozesses

Geschrieben am 07. Apr, 2012 von in Führung, Führung als Spannungsfeld, Führungsprozess

Ein Modell des Führungsprozesses ist der grundsätzliche Ablauf von verschiedenen aufeinander abgestimmten Tätigkeiten, um effizient vorgegebene oder selbst gesteckte Ziele zu erreichen. 

Im wirtschaftlichen Umfeld bildet der Führungsprozess damit den Rahmen für die Geschäftsprozesse. Nach meinem Führungsverständnis gehören er damit aber nicht zu den Unterstützungsprozessen, sondern dient vielmehr der ständigen Initiierung der einzelnen Geschäftsprozesse.

Modell des Führungsprozesses

Grundsätzlicher Phasenablauf

Der grundsätzliche Ablauf des Führungsprozesses sieht wie folgt aus:

Hier wir das Modell des Führungsprozesses mit seinem grundsätzlichen Phasenablauf beschrieben

Der Führungsprozess beginnt grundsätzlich mit der Zielerkennung bzw. der Lagefeststellung; im englischsprachigen Raum auch als Initiation bezeichnet. Als Hilfmittel hierzu habe ich bereits die Analyse des Auftrages dargestellt. Danach schließt sich im Führungsprozess die Phase der Entscheidungsfindung bzw. Orientation an. Ihr folgt die Planungsphase bzw. das Concept Development. Daran schließt sich dann die Anordnungsphase bzw. das Plan Development an. Hierauf folgt danach die Durchführungsphase bzw. das Conducting. Abgeschlossen wird der Führungsprozess durch die Überprüfung bzw. den (Plan)Review der durchgeführten Maßnahmen. Hierbei werden dann abschließend im Führungsprozess das SOLL und IST miteinander verglichen und bewertet. Der Führungsprozess sollte dabei grundsätzlich iterativ erfolgen.

Zielerkennung im Modell des Führungsprozesses

In dieser Phase des Führungsprozesses kommt es im Wesentlichen darauf an, zu erkennen, was der Auftraggeber beabsichtigt, welche wesentliche eigene Leistung dazu zu erbringen ist, welche Rahmenbedingungen dabei zu beachten sind und wie die weiteren Überlegungen zielgerichtet einzugrenzen sind.

Entscheidungsfindung im Modell des Führungsprozesses

In dieser Phase des Führungsprozesses geht es um die Analyse der relevanten Rahmenbedingungen und der sich daraus ergebenen eigenen Möglichkeiten mit abschließendem Entscheidungsvorschlag. Dazu muss nicht nur die eigene Handlungsebene betrachtet und bewertet werden, sondern vor allem auch die übergeordneten, die benachbarten und die untergeordneten Ebenen. Und das Ganze nicht nur für seine eigene Situation sondern auch bezogen auf die jeweilige Markt- und Wettbewerbssituation. Hierfür ist ein permanenter Austausch der folgenden Aspekte anzustreben:

  • Bewertungen und Einschätzungen
  • Meldungen, Anträge und Zuarbeit
  • Gegenseitige informationen

Planungsphase im Modell des Führungsprozesses

Die Zielvorgabe des Vorgesetzten, seine Idee oder das selbstgesteckte Ziel bzw. die eigene Idee vom SOLL-Zustand, bestimmen Art und Weise der Planung. Die Planung selbst wird als in die Zukunft gerichtetes systematische Denken und Festlegen von Maßnahmen definiert. Dabei kommt es insbesondere darauf an, zur Verfügung stehende Ressourcen, einerseits nach dem Grundsatz der Zweckmäßigkeit effektiv, andererseits nach dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit effizient so zu nutzen, dass die Zielvorgabe als Oberziel, erreicht wird.

Planung beginnt mit der Beurteilung aller  auf das Ziel und den Weg dorthin einwirkenden Faktoren, sucht nach Möglichkeiten des Handelns, führt nach deren Abwägen zur Entscheidung und setzt diese in einen Plan um. Sie geht vom IST-Zustand aus und erfolgt in den Schritten

  • Zielsystembildung
  • Alternativen entwicklen und bewerten
  • Entscheiden
  • Plan erstellen

Anordnungsphase im Modell des Führungsprozesses

Die Anordnung bezeichnet die SOLL-Vorgabe und ist damit gleichzeitig die entsprechende Phase im Modell des Führungsprozess. Anordnungen setzen also den Plan in Anweisungen zum Handeln um. Der Plan dient außerdem zur Koordination der arbeitsteiligen Maßnahmen in der Durchführung sowie zur späteren Kontrolle. Mit ihnen überträgt die/ der FührerIn ihren/ seinen Willen auf den jeweiligen Verantwortungsbereich, um seine Absichten zu verwirklichen. Der Auftrag ist damit der Kern einer jeden Anordnung; d.h. er bestimmt das Ziel und ist Ausgangspunkt für das Denken und Handeln der Geführten. Diese Aussage kennzeichnet das Führungsprinzip “Management by Objectives” (Führen mit Zielvereinbarungen), das den Geführten möglichst weiten Freiraum für eigenverantwortliche Ausführung des Auftrages gewähren soll.

Durchführungsphase im Modell des Führungsprozesses

Die Durchführung der Anordnung vollzieht sich unterhalb der jeweiligen Führungsebene und gibt den Geführten nach Detaillierungsgrad im Sinne der Zielsetzungen mehr oder weniger großen Handlungsspielraum. Damit wird diese Phase quasi schon durch die vorherige Anordnung initiiert. Sie beruht ferner auf dem Plan, der zugleich der Koordinierung und der Kontrolle dient.

Überprüfungsphase im Modell des Führungsprozesses

Diese Phase Umfasst den SOLL-IST-Vergleich zwischen der im Auftrag enthaltenen Zielvorgabe – also dem Gesamt- oder Oberziel -  und dem Ergebnis der Durchführung der Anordnung. Hat die Auftagserfüllung die Zielvorgabe erreicht oder wird auf die Auftragserfüllung verzichtet, so ist der Führungsprozess abgeschlossen.

Stellt sich im Rahmen der abschließenden Kontrolle jedoch heraus, dass das erzielte Ergebnis nachgebessert werden muss, so leitet die Kontrolle zu einem neuen Führungsprozess über. Dabei kann es auch erforderlich sein, dass die Teilziele, vielleicht sogar das Gesamtziel, modifiziert werden müssen. Auf den Aspekt der Zielbildung bzw. -operationalisierung muss daher an anderer Stelle noch mal detaillierter eingegangen werden.

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2 Responses to “Modell des Führungsprozesses”

  1. Ivan Rotag

    15. Apr, 2012

    Hallo Herr Bornemann
    Auch zu diesem Blog-Artikel möchte ich gern Stellung nehmen.

    Zu Ihrer Subline möchte ich folgendes bemerken. Es ist sicher eine Möglichkeit der Darstellung oder Beschreibung, dass der Führungsprozess den Rahmen für die Geschäftsprozesse bildet. Ein Weiterer ist, dass das Geschäftsmodell den eigentlichen Rahmen bildet. Bei Ihnen bin ich im Bereich des Handelns, hier ist der Führungsprozess meines Verständnisses nach der Rahmen in dem man sich bewegen kann. Ein weiterer Punkt ist Ihr Verständnis des Führungsprozesses, dieser ist nach der langläufigen Lehrmeinung und der EN DIN ISO 9001 ein separater und eigenständiger Teil der Prozesskette. Wobei hinzuzufügen ist, dass es korrekter Weise Management-/ Führungsprozess zu heißen hat und im Wesentlichen von zwei weiteren Prozessarten begleitet wird. Haupt- / Kernprozess und Hilfs-/ Unterstützungsprozess.

    Es gibt sicher noch den Mess-/ Analyseprozess, der in Unternehmen meist Stiefmütterlich gepflegt wird, wenn überhaupt. Die o.g. Prozesse sind aber die Wesentlichen und auch bei der Beschreibung von Prozesslandkarten zumindest zu berücksichtigen. Was im Umkehrschluss auch bedeutet, dass diese grundsätzlich getrennt und voneinander unabhängig sind.

    Ansonsten sehe ich die theoretische Lehrmeinung im Folgenden Ihres Artikels komprimiert wiedergegeben.
    Vielen Dank für die Wiederbelebung fast vergessenen Wissens.

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    • Stefan Bornemann

      Stefan Bornemann

      16. Apr, 2012

      Hallo Herr Rotag,

      vielen Dank für Ihren ergänzenden Kommentar. Auf Ihre darin ausgewiesene Aspekte möchte ich kurz eingehen:
      Das Geschäftsmodell ist – zumindest aus der Prozesssicht nur ein Teil(system), das die relevanten Prozesse beeinflusst. Daneben stehen aber hierzu auch mindestens gleichwertig die Kunden, die Mitarbeiter, weitere Stakeholder sowie die Kultur, weitere verfügbaren Ressourcen der Organisation und letztlich auch ihre Leistungsfähigkeit(siehe hierzu u.a. auch H. J. Sesselmann, S. 7ff. Von daher kann ich mich noch nicht wirklich mit dem Gedanken anfreunden, dass das Geschäftsmodell den Rahmen für die Geschäftsprozesse bildet.
      Die Lehrmeinung gem. der EN DIN ISO 9001 ist mir bekannt. Allerdings empfinde ich diese als zu technisch bzw. technokratisch, da der Führungsprozess hier maximal auf die Ebene der Geschäfts-/ haupt bzw. Kernprozesse gehoben wird. (Das gleiche gilt übringends auch für die meisten Dokumente und Publikationen in diesem Bereich, da sie oftmals von Spezialisten ohne langjährige Führungserfahrung verfasst worden sind.) In anderen Darstellungen wird der Führungsprozess auch als Unterstützungsprozess betrachtet. Diesen Überlegungen kann ich nicht folgen, denn Geschäftsprozesse sind wichtig aber ohne Führung werden sie m.E.n. nicht wirkungsvoll verlaufen. Die Geschäftsprozesse werden dann maximal zwar sehr effizient sein. Allerdings besteht dabei doch immer die Gefahr, dass sie am beabsichtigten Ziel – wenn auch höchsteffizient – vorbeirauschen. Und damit sie eben nicht getrennt oder unabhängig voneinader ablaufen, bildet der Führungsprozess die Klammer. Demgegenüber möchte ich Führung begrifflich und inhaltlich bewusst aber vom Management-Begriff abgrenzen, da die damit verbundenen Tätigkeiten doch eher dem Organisieren, Koordinieren und Verwalten zuzuordnen sind. Darüber hinaus sind Messungen und Analysen m.E.n. nicht auf der Ebene der Geschäftsprozesse anzusiedeln, sondern sie sind vielmehr integraler Bestandteil aller Prozesse.

      Abschließend möchte ich betonen, dass ich mit meiner kritsichen Betrachtung Ihres Kommentars Sie und die anderen Leser dennoch weiter zum konstruktiven Nachdenken ermuntern möchte. Zudem bitte ich Sie, mir die o.a. Quelle, wenn möglich zukommen, zu lassen.

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