„Voll im Flow“ – Arbeit als Rauschzustand

Geschrieben am 25. Jun, 2015 von in Performance

flow sport

Für den Sieg im Sport, ist Flow unabdinglich. photo credit: via photopin (license)

Das Projekt fordert, das Ziel liegt klar vor Augen. Der Tag rennt, ehe man sich versieht ist Mittagspause, gefühlte zwei Stunden später kündigt sich der Feierabend an – unbemerkt. So vergehen die besten Arbeitstage: frei von Zeitgefühl, vollkommen fokussiert. „Flow“ nennt man diesen Zustand, nicht nur umgangssprachlich, sondern auch in der Wissenschaft. Um diesen Flow soll es heute gehen. Was sind seine Auswirkungen? Wie lässt er sich erreichen? Kann man des Gefühl des Flows eventuell sogar erlernen oder zumindest fördern?

Was ist Flow?

Der Zustand des Flows hat mehrere positive Merkmale:

  • Vollkommene Vertiefung: Man wird eins mit der Aufgabe, verliert Zeitgefühl und vergisst die Umwelt, ist völlig im Hier&Jetzt
  • Kontrolle: Man ist Herr seiner Aufgabe
  • Spaß: Die Erfüllung der Aufgabe bereitet Freude, nicht unbedingt bewusst, im Zustand des Flows aber auf jeden Fall unbewusst
  • Intrinsische Motivation: Der Grund für die hohe Motivation liegt in der Aufgabe selbst

Der Begriff Flow wurde maßgeblich von Professor Mihály Csíkszentmihályi geprägt, auch wenn er nicht der erste war, der es entdeckte (Maslow und Maria Montessori beschrieben den Zustand bereits mit „Polarisation der Aufmerksamkeit“, bzw. „peak experience“). Teil der Flow-Psychologie ist auch das sogenannte „Paradox der Arbeit“, demnach der Mensch heutzutage zwar die meisten Flow-Momente während der Arbeit erfährt, trotzdem aber die weniger von Flow-Zuständen durchzogene Freizeit bevorzugt. Dazu empfehle ich die Lektüre dieser interessanten Studie.

An dieser Stelle möchte ich nun skizzieren, wie Aufgabe & Umwelt geschaffen sein muss, damit sie Flow-Erfahrungen fördern. Dabei bleiben natürlich Variablen offen. Denn Flow für den einen Mitarbeiter bedeutet auch noch lange nicht Flow für den anderen Mitarbeiter bei gleicher Aufgabe #6 gleichem Setting.

Das Arsch-auf-Eimer-Prinzip: Anforderungen und Fähigkeiten

flow

Aufgaben können zum Flow-Erleben führen, wenn sie perfekt zu den Kompetenzen und Fähigkeiten des Mitarbeiters passen. Ist der Mitarbeiter unterfordert, kommt Langeweile auf. Ist der Mitarbeiter überfordert, schafft dies negativen Stress, Unsicherheiten und Ängste des Versagens, die ein Flow-Erleben unmöglich machen. Allerdings würde ich aber behaupten: Eine leichte Überforderung kann einen durchaus in den Flow bringen, denn Lernen bzw. ein Lernprozess kann ebenfalls Teil der Arbeit und Teil des Flows sein. Am besten spricht man wohl von Herausforderung. Wenn die Aufgabe tendenziell ein bisschen schwieriger ist, spielt der folgende Aspekt eine umso größere Rolle.

Cheffe, kommste mal kurz?

Wenn ein Mitarbeiter im Flow ist, benötigt er möglichst direktes Feedback. Muss er sich erst einmal einer ganz anderen Aufgabe zuwenden, ist er raus aus dem Flow, raus aus der Konzentration. Außerdem sollte er nicht in großem Maße auf Zuarbeiten warten müssen, sofern sich das vermeiden lässt. Dass das nie zu 100% funktioniert, ist natürlich auch klar. Aber Flow wird eben nur durch Fokus möglich, was mich gleich zum nächsten Aspekt bringt.

Meetingverbot am Morgen

Das ist natürlich keine zwingende Voraussetzung. Aber es wäre eine Möglichkeit, um Freiraum für konzentriertes Arbeiten zu schaffen. Keine Mails, keine Meetings, keine Telefongespräche, die nicht die unmittelbare Aufgabe betreffen bzw. für diese akut erforderlich sind. Deshalb bemerkt man in den letzten Jahren auch den Trend, Kommunikation zu reduzieren. Oder vielmehr den Trend, sich das Ziel zu setzen, die Kommunikation zu reduzieren. Ob das praktisch dann auch wirklich funktioniert, steht auf einem anderen Blatt. Trotzdem ist bei Regeln oder Zwängen höchste Vorsicht angebracht! Selbstbestimmung ist ebenfalls wichtig. Außerdem kann sich manch einer in leicht lärmender Umgebung tatsächlich besser konzentrieren, ist kreativer. Andere schaffen sich sogar Lärm.

Heute mach ich Home Office

Eine Aufgabe wird dann im Flow erlebt, wenn der Mitarbeiter selbstbestimmt arbeiten kann. Das gilt insbesondere für High Performer. Die favorisierte Software, Zugang zu allen benötigten Dokumenten, Home Office als Alternative, Gleitzeit – davon können viele in Deutschland immer noch nur träumen. Dabei handelt es sich um die entscheidenden Faktoren für das Flow-Erleben.

Kein Spurt ohne Zielgerade

Flow ist nur dann möglich, wenn es ein klares Ziel zu erreichen gilt. Dass es sich dabei um ein realistisches Ziel handeln muss, ist natürlich klar. Ansonsten wäre wieder Stress und Überforderung angesagt – Flow-Killer. Aus diesem Grund können viele Menschen auch besser mit Deadlines arbeiten. Und die, die keine brauchen, sind in der Lage, sie sich selbst zu setzen. Außerdem sollte das Ziel in irgendeiner Art & Weise bedeutungsvoll sein, denn nur so bekommt die Arbeit auch einen Wert. Denkt der Mitarbeiter, seine Arbeit sei eigentlich überflüssig, hat Flow keine Chance.

 

Die besonderen Voraussetzungen unter denen Flow möglich ist, unterscheiden sich kaum von denen, die auch in anderen Kontexten der Motivation als hilfreich gesehen werden. Na klar: Flow und maximale Motivation sind eben deckungsgleich. Trotzdem hilft eine gesonderte Betrachtung des Phänomen des Flow-Erlebens. Schon allein deshalb, weil jeder das Gefühl kennt, und somit auch weiß, was für ein riesiger Unterschied zwischen Flow und Nicht-Flow besteht.

 

Wer noch mehr über Flow erfahren möchte, dem sei der TED-Talk des Flow-Vaters Mihály Csíkszentmihályi ans Herz gelegt. Wie immer bei den TED-Talks: kein bisschen trocken & langweilig!

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