Asylgegner gegen die Menschlichkeit

Geschrieben am 03. Aug, 2015 von in Kolumne - Out of Order !

 

Vorab: Das Thema dieser Kolumne steht nun schon Wochen fest, brodelt gar Monate im Kopf herum. Aber es ist schwierig, die richtigen Worte zum Thema „Flüchtlinge“ zu finden. Und es wird immer schwieriger. Zu viele offene Fragen schwirren im Kopf, Zweifel an der Gesellschaft. Und jeder Frage schließen sich weitere an, das Thema zieht immer größere Kreise. Diese Kolumne soll unsortierten Einblick ins Kopfchaos geben, ist damit wirklich „out of order“:

  • Wie kann man Menschen, die vor Hunger, Krieg und dem Tod flüchten, mit einem Brandanschlag auf eine rudimentäre Flüchtlingsbehausung empfangen?
  • Wie kann man glauben, dass andere Menschen ein schlechteres Leben verdient haben?
  • Wie wenig, kann man aus dem Holocaust, dem Zweiten Weltkrieg gelernt haben?
  • Wie kann man DRK-Mitarbeiter anfahren/ angreifen, während sie ein Flüchtlingslager aufbauen? Wie muss man menschlich ticken, um das zu tun?
  • Wie können Menschen mit einem Schulabschluss in Deutschland den Zusammenhang zwischen unserem Wohlstand und der Armut in anderen Ländern leugnen/ nicht verstehen?
  • Wieso wissen Menschen nicht, dass sich diese Verhältnisse seit dem Kolonialstreben des Westens anfangs des 20. Jahrhunderts nicht mehr geändert haben und immer noch darauf beruhen?
  • Wieso denken Menschen immer noch in Rassen, wenn doch alle Menschen sind?
  • Wie kann man glauben, dass ein paar Flüchtlinge (ja es sind im Verhältnis nur ein paar!!!) ernsthaft den Wohlstand in diesem Land gefährden?
  • Und das, wo eine Bankenrettung für ein paar Milliarden aus dem Ärmel geschüttelt wird?
  • Wieso haben die Banken eigentlich nicht gebrannt?
  • Wieso sind Menschen vollkommen faktenresistent?
  • Wie kann ich als Medienmacher überhaupt die richtigen Menschen erreichen?
  • Wie habe ich ganz persönlich zu dieser Situation beigetragen?
  • Wie soll ich diese Fragen für mich beantworten können, wenn das Thema so emotional ist, die Suche nach den Antworten aber doch objektiv erfolgen muss?
  • Inwiefern fördern Politik und Wirtschaft die gegenwärtigen Zustände?
  • Wieso sprechen selbst Politiker von „Asylgegnern“ statt von Rassisten, wenn doch rassistische Hetze teil dieser Demonstrationen ist?
  • Wieso erkennen Führende in der Wirtschaft nicht, dass alle mehr hätten, wenn man den Weltmarkt zum echten Weltmarkt machen würde? Denn derzeit sind zirka zwei Drittel der Menschen weltweit von der Weltwirtschaft nahezu ausgeschlossen, sie sind die Ausgebeuteten.
  • Wieso verstehen Menschen nicht, dass in ihren iPhones Edelmetalle stecken, die von Kindern in Afrika in Minen geschürft werden, was denen eine Lebenserwartung von 30-40 Jahren beschert? Während sie gleichzeitig ein Leben in Armut führen? Und im Bürgerkrieg?
  • Wen wundert es da noch, dass sie auch lieber ein iPhone in der Hand halten wollen, als arm für eines zu sterben?
  • Und hier wagen es Leute von Wirtschaftsflüchtlingen zu sprechen, die deshalb kein Recht auf Aufnahme hätten?
  • Ist das nicht genau die gleiche Haltung, für die einst der Nestlé Chef zum Unmenschen erklärt wurde? Wasser sollte kein Menschenrecht sein?
  • Wieso leben Menschen jahrelang in Deutschland, ohne eine Arbeitserlaubnis zu bekommen?
  • Wieso werden Menschen, die seit Jahren hier sind und deren Kinder perfekt deutsch sprechen und zur Schule gehen, abgeschoben?
  • Wieso werden Studienabschlüsse aus anderen Ländern so wenig anerkannt?
  • Was bringt eine Abschiebung überhaupt, wenn die Menschen anschließend illegal in Deutschland bleiben?
  • Wieso begreifen die Menschen in Deutschland nicht, dass wir als Exportnation von vielen anderen Menschen auf der Welt abhängig sind, ohne es zu fühlen?
  • Das Motto der Fußball-WM in Deutschland war: Die Welt zu Gast bei Freunden. Wie zynisch ist das aus heutiger Sicht?
  • Brauchen wir nicht eh viel mehr Menschen, um dem demographischen Wandel in diesem Land entgegenzuwirken?
  • Wie können Menschen ernsthaft glauben, dass Flüchtlingen durch ein Minimum staatlicher Hilfe (Kleider, Nahrung) ein sorgenfreies Leben ermöglicht wird?
  • WIESO SIND MENSCHEN ANDEREN MENSCHEN GEGENÜBER EIGENTLICH SO UNMENSCHLICH?

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2 Responses to “Asylgegner gegen die Menschlichkeit”

  1. Mühl-Benninghaus,Jutta

    08. Sep, 2015

    Der obengenannte Fragenkatalog trifft meine eigenen
    Fragen ganz genau.
    Gibt es Arbeitskreise, die einen „zentralen“ Hilfekatalog erstellen oder erstellt haben. Kann man diese/n nicht öffentlich machen? Ich denke, dass man mit einem derartigen Instrument auch Menschen ansprechen könnte, die weniger Zeit/Mut haben, sich zivel zu engaggieren!
    Solch Plan könnte auch z.B. Angaben über geplante Maßnahmen und Hilfestellungen enthalten! Viele Menschen, die ohnehin spenden, verlassen sich auf ihre „Empfänger“.
    Wenn echt vertrauenswürdige Konten genannt oder bestehende befürwortet würden, wäre das u.U. auch eine
    Hilfsmöglichkeit!

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